architekt mag. arch. oskar pankratz

bauphysik - simulationen - feuchte - wärme - trocknung

XOLAR

Architekten: Anna Heringer und Eike Roswag

Universität für Gestaltung, Linz

Architekt   A. Leitgeb

F2 - Architekten|Schwanenstadt

Architekt: Michael Shamiyeh

x-architekten, Linz

 

Industriebau in Passivhausqualität

Beitrag Pankratz:
 
Bauphysik, Thermische und hygrothermische Simulationen, 3-dimensionale Wärmebrückenberechnung instationär zur Berechnung des thermischen Erdreichverhaltens

 

Der Fabriksneubau der Xolar-Gruppe in Eberstalzell

Abbildung 1: Westansicht des neuen Gebäudes

Übersiedlung von Kirchdorf nach Eberstalzell

Die Unternehmen der Xolar-Gruppe, einem Komplettanbieter von Solaranlagen,

übersiedelten im Oktober 2008 vom bisherigen Standort Kirchdorf/Krems nach Eberstalzell

im Bezirk Wels-Land. In ummittelbarer Nähe zum Voralpenkreuz entstand in einem Jahr

Bauzeit ein Industrie- und Bürogebäude, das energietechnisch neue Maßstäbe setzt – und

zwar weltweit.

Zielsetzung beim Neubau

Diese Vorgaben wurden an die Planer gestellt:

Die Entwicklung eines Industriegebäudes, das den Standards von Passivhäusern

entspricht.

Alle Arbeitsplätze in dem Gebäude müssen sonnig und frei von Zugluft sein.

Eine optimale Organisation für die Anlieferung, Warenströme, Wegenetze und

Fluchtwege muss gewährleistet sein.

Die Vorgaben konnten zur Gänze erfüllt werden.

In der Endausbaustufe werden dort 1,5 Millionen Quadratmeter Kollektoren pro Jahr

produziert. Diese Fläche liefert eine Maximalleistung von 1000 MW. 100.000

Einfamilienhäuser könnten pro Jahr mit einer Solaranlage ausgerüstet werden. Das

entspricht einer Einsparung von 75.000 Tonnen Öl und einer Vermeidung von 250.000

Tonnen C02-Ausstoß.

 

Nutzung des Erdreichs als Speicher und Dämmung

Abbildung 2: Schematische Darstellung des Passivhausprinzips. Mit direkter und indirekter Sonnennutzung und Nachtkühlung

Das Erdreich unter der Halle wird als Speichermasse und Wärmedämmung gleichermaßen

genutzt. Die große Fläche der Halle erlaubt es, den Boden nicht dämmen zu müssen. Das

Erdreich unter dem Boden der Halle nimmt langfristig die Temperatur der Halle – etwa 19 bis

20 Grad Celsius – an. Dazu wird von Sonnenkollektoren aufgeheiztes Wasser in

Rohrleitungen in den Hallenboden geleitet. Dieser riesige Erdwärmespeicher wird nun von

oben nach unten beladen. Es wird damit gerechnet, dass dieser Aufwärmvorgang sieben bis

zehn Jahre dauern wird. Danach werden die Energieverluste bei der Einspeisung von

Wärme in das Erdreich bei lediglich 0,02 W/m2 liegen. Die Temperaturentwicklung des

Erdreichs unter der Halle wird mit mehreren Sonden überwacht. Bei Bedarf kann über die

Industrieflächenheizung verstärkt Sonnenenergie in die Erde abgegeben werden.

Gleichzeitig sorgt die Speichermasse an heißen Tagen für die Kühlung.

Abbildung 3: Schematische Darstellung

der Temperaturverteilung unter der

Halle in zehn Jahren. Die Ausbildung

einer „Blase“ ist deutlich zu erkennen.

 

Sommer und Nachtkühlung

Während der Nacht werden die Lüftungsflügel der Brandrauchentlüftung automatisch

geöffnet. Das ermöglicht eine hoch wirksame Querlüftung, die vor allem im Sommer für hohe

thermische Stabilität sorgt (siehe Abbildung 4). Sonnige Tage im Winter zeichnen sich durch

enorm hohen Energieeintrag aus (Abbildung 5).

 

Abbildung 4: Beispiel für den Energiefluss im Sommer: Darstellung von

Innentemperatur (rote Linie), Außentemperatur (blaue Linie), Interne Gewinne

(grüne Fläche), Solargewinne (rote Fläche), Abtransportierte Wärme (blaue Fläche).

Die Daten beziehen sich auf Augustwerte 2008.

 

Abbildung 5: Beispiel für den Energiefluss im Winter: Darstellung von

Innentemperatur (rote Linie), Außentemperatur (blaue Linie), Interne Gewinne

(grüne Fläche), Solargewinne (rote Fläche), Abtransportierte Wärme (blaue

Fläche). Die Daten beziehen sich auf Jännerwerte 2008.

 

Shedverglasung

Die Ausrichtung der Shedverglasung sorgt im Winterhalbjahr für eine direkte

Sonnenheizung. Die Sonnenkollektoren sind so montiert, dass sie im Winter die

Sonneneinstrahlung nicht behindern, im Sommer aber für Schatten sorgen.

Aktive und hybride Maßnahmen

Die Produktionshalle und die Büros werden im Wesentlichen durch 1.100 Quadratmeter

Sonnenkollektorfläche beheizt. Die Abwärme der Laserschneidmaschinen wird in die

Bodenplatte gespeichert. Die Halle, und bei Bedarf der Veranstaltungsraum, können bei

steigenden Temperaturen mit einer solar gespeisten Absorptionskältemaschine gekühlt

werden. Deren Abwärme wird in einem Puffer mit 80 Kubikmeter Wasser gespeichert und bei

Bedarf wieder ins Heizsystem abgegeben.

Die Wärme- und Kälteverteilung erfolgt über eine Industrieflächen- und Fußbodenheizung.

Eine Heizung mit Pelletskessel ist nur in den ersten zwei bis drei Jahren im Winter nötig.

Danach ist das Erdreich unter der Halle ausreichend erwärmt. Anders als bei Gebäuden, die

große Mengen an Strom für Heizung und Kühlung verwenden, wird hier nur eine ganz kleine

Menge an Strom für die energiesparenden Umwälzpumpen benötigt; alles andere macht die

Sonne direkt.

Abbildung 6: Südfassade des Industriegebäudes mit Shedverglasung und Sonnenkollektoren

 

Dichtheit der Gebäudehülle

Die Energieeinsparung bei einem Passivhaus basiert neben der guten Dämmung auf einer

dichten Gebäudehülle. Die Dichtheit wurde mit dem “Blower Door” Test der BuildDesk

Österreich GmbH gemessen.

Im Industriegebäude wurde mit dem Wert der Luftwechselrate von 0,08/h ein sensationelles

Ergebnis erreicht. Das ist ein Siebtel des durchschnittlichen Werts von Passivhäusern.

Beim Bürogebäude beträgt der Wert mit 0,32/h die Hälfte des herkömmlichen Werts bei

Passivhäusern.

Bauweise

Die Fertigungshalle wurde in Holzbauweise mit Stahlbetonsäulen gebaut. Das Bürogebäude

ist in Holzriegelbau mit Betongerüst ausgeführt. Aus ökologischen Gründen wurde darauf

geachtet, wenig Beton zu verwenden. Das Regenwasser wird für den WC Bereich genützt.

Partner für Planung und Bau

DI Stefan Dietrich (Projektleitung, Xolar-Gruppe)

DI Leopold Hörndler-Bauplanung (Planung)

Mag. Arch. Oskar Pankratz (Bauphysik und Simulation)

Leyrer & Graf (Baumeister)

Glöckel Holzbau GmbH (Holzbau)

Oberndorfer (Betonfertigteile)

Gebrüder Haider (Erdbau)

Xolar Altmüller (Haustechnik)

Paffender (Elektrotechnik)

 

Technische Daten

Industriegebäude

Heizenergiebedarf 1 bis 9 kWh/m²a*

Luftwechsel bei 50 Pascal Druckdifferenz 0,08

Bruttogeschoßfläche 17.000 m²

Volumen 165.000 m³

Oberfläche

A/V Werte

U-Werte

Wand + Dach 0,18 W/(m²K)

Glas_mitte 1,0 W/(m²K)

Boden 1,2 W/(m²K)

effektiver U-Wert Boden 0,02 W/(m²K)

Bürogebäude

Heizenergiebedarf bezogen auf die Nutzfläche 10 kWh/m²a

Bruttogeschoßfläche 4.838 m²

Volumen 15.119 m³

Oberfläche 4.678 m²

A/V Wert 0,31

U-Werte

Wand 0,15 W/(m²K)

Dach 0,11 W/(m²K)

Fenster 0,87 W/(m²K)

Boden 0,18 W/(m²K)

Die Xolar-Gruppe

Die Xolar-Gruppe wurde 1991 von Herbert Huemer in Kirchdorf/Krems gegründet. Die

Unternehmensgruppe, zu der neben Xolar auch die Firma Sunmaster zählt, ist ein

Komplettanbieter von Solaranlagen für Privathaushalte und das Gewerbe. Derzeit

beschäftigt das Unternehmen 150 Personen. 2008 wird ein Umsatz von 25 Millionen Euro

erwartet.

Stand: 04. November 2008